"Die WM – ein Wintermärchen?" war für den Grimme Online Award 2011 nominiert! Aus 2100 Vorschlägen wurden 25 Webseiten ausgewählt, darunter unsere. Am Ende zählten wir zwar nicht zu den Ausgezeichneten, aber allein die Nominierung ist für uns ein toller Erfolg und ein Ansporn für unsere nächsten Reise.
Grimme Online Award 2011 Nominiert
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12. Juni 2010

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11. Juni 2010

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Am Tag davor – Eindrücke vom Coon Carnival from Frey und Schaechtele on Vimeo.

Kapstadt am Abend vor dem WM-Beginn kommt einem vor wie der Gastgeber einer Party, der noch bis zur letzten Sekunde Vorbereitungen trifft und mit nassen Haaren die ersten Gäste begrüßt. Während sich auf dem Fanfest schon die Menschenmassen zusammenschoben – am Nachmittag waren die Tore wegen Überfüllung sogar geschlossen worden, waren noch immer Bauarbeiter damit beschäftigt, die letzten Löcher auf den Gehwegen zu schließen. Wahrscheinlich werden sie bis zur letzten Sekunde vor dem Anpfiff des Eröffnungsspiels weiterarbeiten, und wahrscheinlich wird dann alles fertig sein.

Denn auch das ist Südafrika: Es mag hier nicht so geordnet zugehen wie in Europa, vieles klappt erst auf den letzten Drücker, was auch daran liegt, dass sich die Menschen gerade in Kapstadt oft denken: Och, es ist doch noch genug Zeit, der Tafelberg ist auch nicht an einem Tag erbaut worden… Doch am Schluss kriegen es die Leute immer irgendwie hin. Es ist dieses Grundvertrauen darin, dass am Ende schon alles klappen wird, das dieses Land so besonders macht und auch die jetzt beginnende WM prägen wird. Und mal ehrlich: Die Partys, bei denen nicht alles nach Plan läuft, sind doch ohnehin die besten. Man muss sich nur mal den Coon Carnival ansehen, der ausnahmsweise gestern abend durch Kapstadt zog. Normalerweise findet der zwar immer zu Jahresbeginn statt – aber in gewisser Weise ist morgen ja auch Neujahr.

Jetzt geht die WM also endlich los. Und im Fernsehen, im Radio, auf den Straßen gibt es kein anderes Thema mehr. Sechs Jahre lang hat Südafrika auf dieses Ereignis gewartet, und plötzlich sind es nur noch ein paar Stunden, bis die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden angepfiffen wird. Chris, der Sambianer aus unserer ersten Ton-Bild-Reportage, sagte: „Irgendwann ist es immer das erste Mal. Es gab eine erste WM in Europa, es gab eine erste WM in Südamerika – und jetzt gibt es die erste WM in Afrika.“ Was das für die Menschen hier bedeutet, ist für uns Europäer kaum vorstellbar. Auch dieses Turnier wird die Probleme dieses Landes nicht lösen können. Aber schon jetzt erzählen sich die Menschen davon, dass die Stimmung dieselbe sei wie während der Rugby-WM vor 15 Jahren. Es ist, als würde sich in den kommenden Wochen ein zart flirrender Regenbogen über das ganze Land spannen.

Und so stehen in der Nacht vor dem Eröffnungsspiel noch die Antworten auf zwei Fragen aus. Die erste lautet: Wird sich der inzwischen 91-jährige Nelson Mandela das Spiel Südafrika gegen Mexiko live im Stadion ansehen? Sein Enkel Nkosi Zwelivelile Mandela gab die Antwort heute im Radio:

Er kann sich in seinem Zustand nicht 90 Minuten ins Stadion setzen. Es ist schließlich Winter, wir müssen darauf Rücksicht nehmen. Denn als Südafrikaner wünschen wir ihm, dass er noch viele Jahre weiterleben wird.

Und die zweite: Wie viele Vuvuzelas haben wir allein heute gesehen gehört gespürt? Der aktuelle Stand des Vuvu-Zählers, der von nun an immer mitläuft: 5728 (5725 davon nicht im Bild).

9. Juni 2010

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Vuvuzela in der Long Street Nr.2 und Nr.3

Früher, sagt Ivan Johnson, früher habe er die Dinger ja gehasst. Doch dann saß er während des Confederations-Cups im vergangenen Jahr im Stadion und stellte fest, was für einen wertvollen Beitrag die Vuvuzelas leisten können: Wenn sich das ganze Stadion die Lunge aus dem Leib bläst, werden Südafrikas Gegner irgendwann so wuschig, dass sie sich nicht mehr auf ihr Spiel konzentrieren können. In Südafrika ist nicht das Publikum der zwölfte Mann: Es ist die Plastiktröte.

Johnson ist Kreativ-Direktor der südafrikanischen Niederlassung des BBDO-Netzwerks, er hat im Alter von sieben mit dem Fußballspielen angefangen und schaffte es bis zum Halbprofi. Sein prominentester Gegner war Benni McCarthy, der verblichene Star der Südafrikaner, den der Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira vor wenigen Tagen aus dem Team geworfen hat. Offiziell wegen Übergewichts, tatsächlich aber soll er bis morgens um vier Frauen auf seinem Zimmer gehabt haben. Für so wenig Leidenschaft bzw. für so viel Leidenschaft für die falsche Sache hat Johnson kein Verständnis. Er hat in den vergangenen Wochen alles unternommen, um seine Agentur auf diese WM einzustimmen. Wie er das geschafft hat und warum diese WM für ihn mehr ist als ein bloßes Fußballturnier, ist am Freitag in der Financial Times Deutschland nachzulesen, in deren Auftrag wir Johnson heute besucht haben. Schon jetzt aber können wir demonstrieren, wie es aussieht, wenn aus Hass Liebe wird.

Ivan Johnson

Johnson hat sich nicht ohne Grund ausgerechnet heute verausgabt. Pünktlich um zwölf Uhr mittags wurde die WM inoffiziell angeblasen: Im ganzen Land gingen die Südafrikaner auf die Straße, um in ihre Vuvuzelas zu pusten. In Kapstadt wurde die Long Street, auf der sich Bars, Restaurants und Hostels aneinanderreihen, zum Trötminenfeld. Der Lärm war in der ganzen Stadt zu hören. Als wir auf dem Weg dorthin waren, redete sich ein Kapstädter im Radio so in Rage:

Was auch immer man in Europa über diesen Sound denken mag (und wahrscheinlich werden sich die Deutschen in den kommenden Wochen nichts sehnlicher wünschen als einen Vuvuzela-Filter in ihrem Fernseher): Wenn man mitten drin steht, findet man plötzlich Gefallen daran. Das Getröte klingt wie eine Elefantenherde auf Ecstasy.

Vuvuzela in der Long Street Nr.1

Tröööt, Vol. 2

Käfertanz

Joachim Löw allerdings wird das Geräusch schier um den Verstand bringen. Heute sagte Jack White, der Trainer der südafrikanischen Mannschaft, die 1995 die Rugby-WM im eigenen Land gewann (die Geschichte war vor ein paar Monaten im Kino zu sehen) in einem Radiointerview, dass es praktisch unmöglich sei, seinen Spielern bei diesem Lärm Anweisungen zuzurufen. Vielleicht fängt Löw ja irgendwann an, seine Taktikbefehle mit dem Schal in die Luft zu zeichnen.

Update, Donnerstag, 11 Uhr: Stephan Frey hat uns eben über Facebook geschrieben, dass in Deutschland die Vuvuzelas in den ersten Städten bereits verboten wurden. Wahrscheinlich wird das nichts nützen, weil der Lärm in den nächsten Wochen derart anschwillt, dass er bis nach Europa schwappen wird. Apropos Facebook: Gestern durften wir in unserer Facebook-Gruppe das 100. Mitglied begrüßen.

Darauf ein kräftiges Tröt.

8. Juni 2010

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Ich möchte heulen – I want to cry from Frey und Schaechtele on Vimeo.

Die erste Folge unserer Ton-Bild-Reportagen aus Südafrika: Sie erzählt die Geschichte von sechs Kapstädtern, die die Nacht von Sonntag auf Montag vor dem Ticketing Centre verbracht haben.

7. Juni 2010

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Und plötzlich stand dann eine Frau mit strengen Locken am Polizeiauto und verkündete durch den Lautsprecher, dass von den Karten für die Spiele in Kapstadt, deretwegen sich die Menschen eine ganze Nacht und manche sogar noch den Tag davor um die Ohren geschlagen hatten, ohnehin keine mehr da seien. Erhältlich seien nur noch „Premium-Tickets“ für 1400 Rand. Das ist das Zehnfache dessen, was die meisten auszugeben in der Lage gewesen wären. Karten der günstigsten Kategorie, die die Fifa extra für die Südafrikaner reserviert hatte, kosteten 140 Rand, das sind umgerechnet etwa 14 Euro. Die Enttäuschung verbreitete sich auf dem Parkplatz, auf dem wir gemeinsam mit etwa 100 Kapstädtern unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, wie eine hochansteckende Krankheit. Die meisten zogen irgendwann ohne Tickets davon, wüst vor hin schimpfend, dass die Fifa keines ihrer Versprechen wahr gemacht hat.

Es sind noch drei Tage bis zum Beginn der Weltmeisterschaft. Was sie aus diesem Land machen wird, ist nach wie vor nicht abzusehen, was nicht nur an den dunklen Regenwolken liegt, die über Kapstadt hängen. Die Massenpanik von Johannesburg war zwar Titelthema der Cape Times, auf dem Parkplatz hat aber zum Beispiel keiner darüber gesprochen. Viele erwarten trotz allen Ärgers, dass mit dem Anpfiff des Eröffnungsspiels am Freitag eine Euphorie ausbricht, die das Land über die kommenden vier Wochen trägt. So wie Ilja, den wir in der Schlange kennengelernt haben. Er kümmert sich schon seit März vergangenen Jahres um Karten.

“Ich stamme ursprünglich aus Bulgarien, lebe aber schon seit 1992 hier. Ich kam gestern abend um acht hier an, jetzt ist es acht Uhr morgens. Ich habe schon etliche Karten, aber ich bin hier, um Tickets fürs Halbfinale zu bekommen. Ich bin mir sehr sicher, dass, wenn das Eröffnungsspiel erst einmal angepfiffen ist, die Stimmung explodieren wird. Die Leute werden durchdrehen und die Party wird das ganze Turnier über dauern.”

Frey & Schächtele dagegen sind noch nicht dazu gekommen, sich darüber Gedanken zu machen, was bei uns explodieren könnte. Wir haben heute zwar Karten für das Gruppenspiel der Deutschen gegen Serbien ergattert, den Rest des Tages aber im schicken Büro von Africade verbracht, einer Firma, die einer deutschen Freundin gehört – Aussicht auf den nebelverhangenen Tafelberg inklusive. Denn wir sind ja nicht zum Spaß hier: Morgen wird es an dieser Stelle unsere erste Tonbild-Reportage geben.

6. Juni 2010

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Es ist tatsächlich Winter in Südafrika, und das bedeutet, dass die Sonne gegen sechs im Ozean versinkt. Wenn es nicht um die zehn Grad warm wäre, könnte man fast glauben, dass die Adventszeit bald beginnt, und man hätte unweigerlich den Geruch von Glühwein in der Nase. Heute nacht könnten wir den tatsächlich gebrauchen: Wir werden uns gleich in die Warteschlange vor dem Kapstädter Ticketing Centre stellen, die der Erste heute morgen um acht eröffnet hat. Es ist die letzte Verkaufsrunde vor Beginn des Turniers. Was wir heute nacht in dieser Schlange erleben und ob wir gemeinsam mit den Kapstädtern deutsche Weihnachtslieder anstimmen werden: morgen mehr.

Update: Montag, halbelf Uhr vormittags: Wir sind gerade zurückgekommen von einer so anstrengenden wie aufregenden Nacht. Was begann als ein bezauberndes Nachtlager, endete in heillosem Chaos und großer Wut der Kapstädter auf die Fifa. Es ist beileibe nicht so, dass die Südafrikaner keine Lust haben auf dieses Turnier. Man kann aber durchaus jetzt schon festhalten, dass die Fifa sich hier keine Freunde gemacht hat. “Das hier sollte eine afrikanische WM werden”, sagte uns einer. “Doch es ist eine Fifa-WM.” Wir machen uns jetzt an die Arbeit für die Tonbild-Reportage über unsere Nacht vor dem Ticketing Centre.

5. Juni 2010

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Okay, okay: So hässlich, wie wir dachten, ist das WM-Stadion von Kapstadt doch nicht. Es ist vielmehr wie eine Frau, die ihren Zauber erst entfaltet, wenn sie sich für den Abend herausputzt. Gestern nachmittag trafen wir sie noch ungeschminkt und in schlechter Verfassung an, heute abend entwickelte sie sich dann Minute um Minute ein bisschen mehr zu einer strahlenden Schönheit. Der Nebel hatte sich verzogen, die Sonne ging orangefarben im Meer unter und irgendwann begann das Stadion dann, von Innen heraus zu leuchten. Und wie es sich für eine solche Diva gehört, drängelten sich ihre Bewunderer um den besten Platz: Kameraleute aus Peru, Journalisten aus Kanada, Touristen aus Japan und Einheimische, die das Stadion aus der Ferne berühren wollten. Dass die Menschen Hand anzulegen versuchen an ein Schätzchen der Fifa – wenn das mal nicht Sepp Blatter erfährt. Womöglich würde er versuchen, auch dies nur denjenigen zu gestatten, die dafür bezahlt haben.

In der gestrigen Ausgabe der Mail & Guardian, einer renommierten südafrikanischen Wochenzeitung, sind die insgesamt 17 Auflagen veröffentlicht worden, die die Fifa der südafrikanischen Regierung ins Pflichtenheft diktiert hat. Bereits 2004 hätten „relevante Mitglieder des Kabinetts“ die Einhaltung dieser Auflagen zugesichert. Dazu gehören: Polizeieskorten für die Fifa-Delegation, die teilnehmenden Mannschaften und die Schiedsrichter. Steuerbefreiung für die Fifa-Delegation und jeden, von dem die Fifa sagt, er sei ein Teil von ihr. Und die Zusicherung, dass die Hotelpreise für die Fifa-Delegation, die Repräsentanten der zur Fifa gehörenden Tochterfirmen und für die übertragenden Sendeanstalten am 1. Januar 2010 eingefroren wurden – und anschließend um zwanzig Prozent gesenkt.

Ein Übernachtungs-Discount für diejenigen, die mit diesem Turnier so viel Geld verdienen werden, dass sie davon wahrscheinlich ganze Städte in Südafrika sanieren könnten: Es ist dies einer der Gründe, warum Menschen wie Neil schon jetzt keine Lust mehr haben auf das, was hier in den kommenden Wochen passieren wird. Neil ist Psychologe, der Schulkinder in Problembezirken Kapstadts betreut, mit denen die Lehrer nicht mehr zurecht kommen. Wobei der Begriff „Bezirk“ in diesem Fall eine niedliche Untertreibung ist: Die Gegenden, in denen die Klienten von Neil und seinen Kollegen leben, sind in dieser Drei-Millionen-Metropole in sich geschlossene Sub-Städte. „Die Menschen hier werden nichts von dieser Weltmeisterschaft haben“, sagt Neil. „Ich kenne so viele Kinder, die nichts zu essen haben. Und gleichzeitig zahlen wir dafür, dass die Weltmeisterschaft überhaupt hier stattfinden kann.“ Ob Südafrika in den kommenden Wochen sein Wintermärchen erleben wird? Für viele Südafrikaner wird es wohl eher ein Märchen bleiben, dass sie von diesem Turnier überhaupt profitieren können.

Und zum Schluss noch ein billiger Kalauer. Wer Frey & Schächtele kennt, weiß, dass ihnen die schalsten Wortwitze gerade gut genug sind. Fragt also Frey oben auf Signal Hill, während er auf die Gefängnisinsel Robben Island zeigt: „Ist das da drüben Robben?“ „Ja“, antwortet Schächtele auf das WM-Stadion deutend, „und das da ist Ribéry“. Dort trifft am Eröffnungstag Frankreich auf Uruguay.

PS: Wir danken unseren Unterstützern für jetzt schon knapp 450 Euro.

4. Juni 2010

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Wie sieht eigentlich der Winter in Afrika aus? Seit heute wissen wir es: wie eine Open-Air-Installation von Olafur Eliasson. In dessen Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau gibt es einen Raum, der so sehr mit künstlichem Nebel geflutet ist, dass Menschen wie Traumgestalten an einem vorüber huschen.

Auf dem Signal Hill, einem der Bergkämme, der quer über Kapstadt thront, sah es heute nachmittag genauso aus.
Eigentlich hatten wir im Sinn gehabt, uns das WM-Stadion von da oben anzusehen. Dazu ist es nicht gekommen. Wir konnten froh sein, dass wir nach dem Fototermin unser Auto wieder gefunden haben.

So mussten wir an anderer Stelle nach Anzeichen dafür suchen, dass heute in einer Woche die WM eröffnet wird. Zum Beispiel am Stadion selbst. Dort angekommen, man muss es einfach so sagen, hatten wir allerdings nicht das Gefühl, vor einem komplett neu erbauten Fußballstadion zu stehen, bei dessen Anblick die Welt in der kommenden Woche gefälligst den Atem anzuhalten hat. Sondern vor einem Parkhaus, das leider etwas windschief geraten ist. Seine Attraktivität bezieht diese betongraue Schüssel einzig daraus, dass genau daneben Teile des alten Greenpoint-Stadions stehen gelassen worden sind. Und wie es sich für Reporter geziemt, die keiner Gefahr aus dem Weg gehen, haben wir die halbverfallene Tribüne erklommen und uns sogar der Gefahr ausgesetzt, von Tauben vollgeschissen zu werden, um das WM-Stadion in Szene zu setzen. Doch auch hier: Von WM-Euphorie noch keine Spur.

Dafür muss man schon das Autoradio einschalten. Dort aber gibt es praktisch kein anderes Thema, über das die Moderatoren sprechen. Und das in einer Weise, dass man meinen könnte, sie wollten allein mit ihrer Stimme die Nebelschwaden aus dem Land blasen: „ONLY SIX DAYS TO GO! WIN ONE MILLION RAND!“ Das Knie von Rio Ferdinand, der Besuch des südafrikanischen Teams bei Nelson Mandela, Spekulationen darüber, ob er bei der Eröffnungsfeier auf der Tribüne stehen wird – wenn es nach der Aufgeregtheit der UKW-Lautsprecher geht, könnte das Turnier morgen losgehen.

Das allerdings wäre für die Verantwortlichen die größtmögliche Katastrophe: Sie scheinen bei ihren Vorbereitungen mit derselben Präzision vorzugehen wie die Trainer der Nationalmannschaften: Sie lassen bis zur allerletzten Sekunde an den Vorbereitungen arbeiten. Auf den Highways staut sich ein Stau an den anderen, weil die Bauarbeiter hier noch ein Loch flicken und dort eine Fahrbahn reparieren. Vor dem WM-Stadion in Kapstadt werden noch eilig Blumenzwiebeln in die Erde gestopft und im Scanner-Zelt, durch das in einer Woche die Journalisten geschleust werden, die Maschinen entpackt. Erst der Anpfiff des Eröffnungsspiels wird für die Bauarbeiter den Abpfiff bedeuten. Dann  werden sie sich den letzten Dreck von den Händen wischen, unter ihren Blaumännern das gelbe Bafana-Bafana-Trikot herauskramen und für ihre Mannschaft tröten. Nebenbei: Wir haben heute die erste Vuvuzela gehört. In einer Shopping-Mall. Sie klingt tatsächlich wie die Blähung eines Elefanten.

Die Mitarbeiter der Dienstleistungsbranche haben es da leichter: Sie dürfen ihre Trikots jetzt schon zur Schau stellen. Genau genommen tun sie das bereits seit Beginn des Jahres: Freitag ist „Soccer Day“. Seit einem halben Jahr ist jeder Südafrikaner angehalten, freitags im Trikot zur Arbeit zu erscheinen, egal in welchem. Trotzdem haben wir heute fast nur die des Gastgebers gesehen. So wie bei Julius, dem freundlichen Herr aus dem Vodacom-Shop, der sich für das Foto allerdings bemüht hat, so entschlossen wie möglich zu gucken. Es werde nicht einfach werden für Südafrika, sagte er. Er hoffe einfach auf die zweite Runde. Sagt´s und fängt auf eine Weise zu lachen an, wie es nur Menschen tun, die wissen, dass die Hoffnung eine Pflanze ist und der Optimismus ihr Dünger.

Und wo wir schon beim optimistischen Blick in die Zukunft sind: Auch wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt. Wir wollen bis zu unserer Rückreise in sechs Wochen zehn Tonbildschauen produzieren, jeden Tag einen Bericht verfassen samt betörend schöner Fotos und damit 5000 Menschen in unsere Facebook-Gruppe lotsen. Die ersten 35 sind schon da. Wenn Ihr also jemanden kennt, der jemanden kennt, der in diese Facebook-Gruppe passt wie Nebel in den Kapstädter Winter: Sagt ihm sofort Bescheid. Es gibt dafür nach unserer Rückkehr auch ein Eis.

In diesem Sinne: Bafana, Bafana!
Frey & Schächtele

3. Juni 2010

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Die erste Etappe unserer Reise liegt hinter uns. Und wir können festhalten: Wir sind dann mal Kapweg.

In 13 Stunden werden wir dann Kapdort sein. Es grüßen vom Istanbuler Flughafen: Frey & Schächtele.

3. Juni 2010

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So, Leute, Abflug:

Start: 4. Juni 2010

Ziel: 16. Juli

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